"Aber ich muss doch funktionieren!"
Viele Mütter kennen diesen Satz oder denken diesen Gedanken, wenn sie eigentlich schon längst an ihre Grenzen gestossen sind. Durchhalten durch eine schwierige Phase ist menschlich und manchmal schlicht nötig. Aber wo ist die Grenze zwischen einem vorübergehenden Ausgebrannt-Sein als Mutter und einem Mama-Burnout, der sich langsam als Dauerzustand einrichtet?
Sonja hat bis zu der Geburt ihrer Kinder als Projektmanagerin gearbeitet. Weil sie für ihre Kinder da sein möchte, hat sie sich entschieden nach der Elternzeit teilzeit zurück in ihren Job zu gehen.
Im Job hat sie das Gefühl immer ein bisschen mehr leisten zu müssen, damit sie von ihren Kollegen weiter respektiert wird, auch als Teilzeitangestellte. Gleichzeitig will sie in ihrer Mutterrolle alles richtig machen. Sie möchte liebevoll mit ihren Kindern umgehen, sie fördern und sich Zeit für sie nehmen.
Es ist ihr auch wichtig, dass die Familie gesund isst, biologisch und nachhaltig einkauft und die Spielsachen pädagogisch wertvoll sind.
Und wenn sie mit den Kindern rausgeht, dann soll es halbwegs passen; sie selbst einigermassen frisch, die Kinder nicht im Pyjama. Keine hohen Ansprüche. Aber auch das kostet Energie, die sie sich an manchen Tagen erst zusammensuchen muss.
In diesem Artikel
Wenn Durchhalten zur Gewohnheit wird
Sonja hat manchmal das Gefühl, dass es bei anderen Familien einfacher läuft. Dass andere Mütter abends weniger erschöpft sind, dass ihre Kinder Anweisungen befolgen, sich selbständig beschäftigen, nachts durchschlafen, Übergänge ohne grosse Wellen meistern. Sie fragt sich dann, ob sie irgendetwas anders machen müsste, damit es auch bei ihr leichter wird.
Und gleichzeitig weiss sie: Was sie mit Zoe und Finn macht, passt. Zu ihr, zu ihren Kindern, zu ihrer Familie.
Denn Zoe und Finn sind nicht die Kinder, bei denen vieles einfach so klappt. Zoe ist ein Wirbelwind: Gefühlsstark, laut, immer mittendrin, immer in Bewegung. Finn lebt eher in seiner eigenen Welt: Verträumt, sensibel, braucht lange, bis er irgendwo wirklich angekommen ist. Kinder wie sie fordern mehr Präsenz, mehr Geduld, mehr Regulierung von aussen und das nicht nur heute, sondern über Jahre.
Das kostet sie viel Energie, an manchen Tagen mehr, an anderen etwas weniger.
Sonja investiert viel Energie darin, dass das von aussen trotzdem "normal" aussieht. Was das Umfeld sieht, sind einzelne Momente: ein Kind, das laut ist. Ein Kind, das langsam ist. Eine Mutter, die «zu wenig durchgreift». Die gut gemeinten Kommentare kommen leider auch immer mal wieder; von der Schwiegermutter, auf dem Spielplatz, manchmal von Menschen, die sie kaum kennt. Sonja sagt manchmal gar nichts, manchmal versucht sie zu erklären und den Rest trägt sie mit sich nach Hause.
Was dabei niemand sieht: Wie viel Energie genau das kostet. Das ständige Managen, Erklären, Relativieren. Das Gefühl, sich permanent rechtfertigen zu müssen, ohne je wirklich verstanden zu werden.
Wenn nichts mehr geht
Sonja glaubt, dass eine gute Mutter immer funktionieren muss. Also funktioniert sie, auch wenn sie eigentlich schon längst nicht mehr kann.
Sie ist schnell gereizt, wird manchmal laut, verhält sich anders als sie es sich wünscht. Wenn Finn weint, möchte sie am liebsten mitheulen. Wenn Zoe in der Wut tobt, möchte sie einfach den Raum verlassen und die Tür hinter sich zumachen. Doch in letzter Zeit merkt sie, dass es ihr manchmal auch einfach egal ist, was ihr komisch vorkommt.
Ihr Partner Thomas unterstützt sie, wo er kann. Aber er arbeitet 90 Prozent und ist viel unterwegs. Auch liegt ihm das Co-Regulieren, das Organisieren und das Vorausdenken viel weniger. Wenn Sonja es nicht macht, fehlt der Geburtstagskuchen. Drücken die Schuhe, merkt es zuerst sie. Und immer wieder diese leise Angst im Hintergrund: Was ist, wenn Zoe und Finn zu kurz kommen, weil sie gerade einfach nicht mehr kann?

Abends, wenn die Kinder endlich im Bett sind, hätte sie gerne fünf Minuten nur für sich. Aber da ist noch Thomas, dem sie zuhören möchte, dem sie sich nähern möchte. Stattdessen landen sie im Streit, den beide nicht wollten.
Sonja ist erschöpft, genervt, manchmal aber auch gleichgültig und motivationslos. Diese Kombination macht sie skeptisch. Morgens im Bett, wenn sie am liebsten liegenbleiben möchte oder weit weit weg gehen, googelt sie "Mama-Burnout". Dass sie sich in vielen Symptomen wiedererkennt, behält sie aber für sich. Sie versucht herauszufinden, wie sie doch weiterhin durch ihre Tage kommt. Nur wenn niemand zuschaut, lässt sie manchmal alles raus und weint.
Ein Mama-Burnout entsteht nicht von heute auf morgen. Er schleicht sich meist leise in kleinen Schritten über eine längere Zeit an.
Wann wird Erschöpfung zum Problem?
Sonja ist kein Einzelfall. Viele Mütter von Kindern, die viel fordern, viel fühlen, viel brauchen, kennen dieses Grundrauschen von Erschöpfung, das einfach nicht mehr weggeht. Morgens schon müde aufwachen. Abends nicht abschalten können, obwohl man so gerne würde. Die To-do-Liste im Kopf, die nie kürzer wird.
Und irgendwann ist «so geht es halt» keine Beschreibung einer Phase mehr, sondern ein Dauerzustand.
Das ist der Moment, in dem es sich lohnt, genauer hinzuschauen. Je früher man dieses Signal ernst nimmt, desto leichter lässt sich gegensteuern. Wer wartet, bis nichts mehr geht, braucht deutlich länger, um wieder in die Kraft zu kommen.
Wie erkenne ich ein Mama-Burnout?
In Kürze: Typische Kennzeichen eines Burnouts als Mutter sind anhaltende Erschöpfung, emotionale Distanz zu den Kindern und das Gefühl, in der Mutterrolle nicht mehr wirksam zu sein.
Erschöpfung kennen alle Eltern. Sie gehört dazu, besonders in intensiven Phasen. Aber es gibt einen Unterschied zwischen Erschöpfung, die nach einer guten Nacht oder einem ruhigen Wochenende besser wird, und einer Erschöpfung, die einfach bleibt. Die morgens schon da ist. Die sich wie eine Leere anfühlt, nicht wie Müdigkeit.

Die Forscherin Moïra Mikolajczak, die zum Thema elterlicher Burnout intensiv forscht, beschreibt drei zentrale Anzeichen: erstens eine überwältigende Erschöpfung rund um die Elternrolle, zweitens eine zunehmende emotionale Distanz zu den Kindern – Interaktionen werden funktionaler, weniger herzlich – und drittens das Gefühl, als Mutter nicht mehr wirksam zu sein, keinen Unterschied mehr zu machen.
Gerade das zweite Anzeichen trifft Mütter von Kindern, die viel Begleitung, viel Co-Regulation und viel emotionale Präsenz brauchen, besonders hart. Denn genau das ist es, was ihre Kinder täglich brauchen und was im Burnout als erstes wegbricht.
Dazu kommt oft eine schleichende Gleichgültigkeit: Man sieht die Gefühle des Kindes, aber sie erreichen einen nicht mehr wirklich. Man hört zu, aber ist nicht wirklich da.
Typische Symptome eines Mama-Burnouts
Emotional:
- anhaltende Erschöpfung
- innere Leere
- Reizbarkeit
- Selbstzweifel
- Gleichgültigkeit
- fehlende Motivation
- abnehmende Empathie
- depressive Phasen
- Angstzustände
- emotionale Taubheit
Körperlich:
- Schlafstörungen
- Kopfschmerzen
- Muskelverspannungen
- Herzrasen
- Verdauungsprobleme
Kognitiv:
- Konzentrationsprobleme
- Vergesslichkeit
- das Gefühl, nur noch auf Autopilot zu funktionieren
Wichtig: Burnout ist keine offizielle medizinische Diagnose, sondern ein Begriff für einen ernstzunehmenden Erschöpfungszustand. Gleichzeitig ist es als Krankheit definieret und wenn du denkst, dass du dich in einem Burnout befindest, melde dich unbedingt bei deinem Hausarzt. Einige der Symptome können auch auf andere Erkrankungen wie Depressionen oder eine Schilddrüsenunterfunktion hinweisen. Bei anhaltenden Beschwerden lohnt sich immer der Gang zur Hausärztin.
Wann wird Erschöpfung zum Burnout?
Ein Mama-Burnout entsteht nicht von heute auf morgen. Er bahnt sich langsam in Phasen mit fliessenden Übergängen an. Genau das macht ihn so tückisch: Man merkt oft erst sehr spät, dass man schon längst mittendrin ist.
Der entscheidende Unterschied zwischen normaler Erschöpfung und einem Burnout ist die Erholung. Wer erschöpft ist, erholt sich, nach ein paar guten Nächten oder einem Wochenende Auszeit. Wer im Burnout ist, kommt auch nach einer kürzeren Erholung nicht wirklich auf die Beine. Die Leere bleibt bestehen.
Dazu kommt das Gefühl, dass es so bleibt. Dass diese Aufgaben, diese Gedanken, diese Erschöpfung nie mehr aufhören werden. Das bedeutet nicht, dass dies tatsächlich so wäre, sondern dass es sich so anfühlt, weil der Blick nach vorne versperrt ist.
Und es braucht dafür keine Ausnahmesituation. Keinen Arbeits-Peak, kein krankes Kind, kein besonderes Unglück. Der ganz normale Familienalltag genügt völlig. Besonders dann, wenn die Kinder viel von dir brauchen, weil sie vielleicht wilder sind, feinfühliger, verträumter oder gefühlsstärker als der Durchschnitt.
Es gibt viele Online-Tests, welche dich dabei unterstützen können, um dein Burnout-Risiko einzuschätzen. Diese Tests sind mit Vorsicht zu geniessen und ersetzen nicht den Besuch bei einer Fachperson. Diesen Selbsttest für Eltern zum Herunterladen vom Schweizer Elternmagazin Fritz&Fränzi finde ich gut auf die spezifischen Herausforderungen von Eltern angepasst.
Einen Blick auf die Erschöpfung und vor allem auf die Dauer haben
Ich kenne solche Phasen aus eigener Erfahrung. Nicht als einmaliges Ereignis, sondern als etwas, das immer wieder auftaucht, in unterschiedlichen Formen und aus unterschiedlichen Gründen.
Eine dieser Phasen: Mein Grosser war noch ein Kleinkind, ich hatte beruflich viel um die Ohren und arbeitete praktisch jede freie Minute. Er war in der Zahnungsphase und hing gefühlt die halbe Nacht an meiner Brust.
Ich spürte die Müdigkeit, die aufkommende Gleichgültigkeit, das Gefühl, dass in meinem Kopf einfach kein Platz mehr war für irgendetwas Zusätzliches. Ich wollte nur noch ins Bett. Oder weinen.
Was mir damals geholfen hat: Ich schaute mir bewusst an, was gerade passierte. Glücklicherweise war ich schon sensibilisiert auf dieses Thema und schrieb danach die erste Version dieses Artikels. Ich versuchte, mir kleine Momente herauszunehmen. Viel war es nicht, aber manchmal reicht auch wenig, um nicht ganz zusammenzubrechen. Und ich reduzierte meine Ansprüche, so gut es ging. Zum Glück war das Ende dieser Phase absehbar.
Weitere solche Phasen folgten. Mit einem miserabel schlafenden Baby und einem Kleinkind gleichzeitig, mit Herausforderungen in der Schule, nach einem Unfall. Jedes Mal war es ein zusätzlicher Faktor, der dazu führte, dass unser normales System einfach nicht mehr ausreichte.
Was ich dabei gelernt habe: Der Unterschied zwischen einer Erschöpfungsphase und einem Burnout liegt oft in der Dauer und in der Erholung. Wer sich nach einer Ruhephase wieder erholt, ist erschöpft. Das ist menschlich und kommt vor. Wer auch nach Erholung nicht mehr wirklich auftankt, bei wem die Leere bleibt, der sollte genauer hinschauen.
Viele Mütter stehen ständig kurz vor dem Mama-Burnout
Viele Mütter befinden sich in einem Zustand, der sich irgendwo zwischen Erschöpfung und Burnout bewegt, ohne dass es einen dramatischen Auslöser gebraucht hätte. Kein Unfall, kein Zusammenbruch, kein besonderes Unglück.
Und es sind viele! Laut einer repräsentativen Umfrage der KKH Kaufmännische Krankenkasse aus dem Jahr 2024 fühlen sich fast 70 Prozent der befragten Eltern in Deutschland infolge hoher Belastungen mitunter erschöpft oder ausgebrannt. In der Schweiz sind laut profamilia rund 5 Prozent der Eltern von einem klinisch relevanten Eltern-Burnout betroffen und die Schweiz gehört damit zu den zehn am stärksten betroffenen Ländern weltweit.
Der ganz normale Familienalltag reicht oft schon aus. Manchmal sogar ohne Konflikte, ohne grosse Extratouren, ohne Themen-Kuchen und Ausflüge. Einfach weil der Alltag mit Kindern, die viel brauchen, schlicht sehr herausfordernd sein kann.

Was Mütter beschreiben, die in ein Burnout geschlittert sind, ist häufig dieses Gefühl: Es wird nie aufhören. Nicht bald genug jedenfalls. Genau das ist der Unterschied zur normalen Erschöpfung, die irgendwann nachlässt. Im Burnout fehlt dieser Horizont.
Warum sind wir Mütter so erschöpft?
Erschöpfung bei Müttern hat selten nur einen Grund. Es ist meist ein Zusammenspiel vieler Faktoren, die sich gegenseitig verstärken:
- Schlafmangel, oft über Monate oder Jahre
- Der Mental Load: das ständige Planen, Organisieren und Vorausdenken
- Hohe Ansprüche an sich selbst als Mutter, Partnerin und Berufstätige
- Das gesellschaftliche Mutter-Ideal, das nach wie vor existiert
- Fehlende Betreuungsplätze und mangelnde Vereinbarkeit von Familie und Beruf
- Kein «Dorf»: die Erziehungslast liegt fast ausschliesslich auf den Eltern
- Eigene Prägungen und Glaubenssätze, die im Hintergrund mitlaufen
- Grenzen, die übergangen werden, ohne dass man es selbst bemerkt
Und dann ist da noch etwas, das selten benannt wird: Was es bedeutet, ein Kind zu begleiten, dessen Nervensystem viel von dir verlangt. Ein Kind, das intensiver fühlt, länger braucht um sich zu regulieren, feinfühliger auf Reize reagiert, schlechter schläft, Übergänge schwerer meistert. Das kostet strukturell mehr, jeden Tag, oft unsichtbar für alle ausser dir.
Profamilia Schweiz weist darauf hin, dass westliche Gesellschaften die Erziehungslast fast ausschliesslich auf Eltern abwälzen, statt nach dem Prinzip zu funktionieren, das in anderen Kulturen selbstverständlich ist: Um ein Kind zu erziehen, braucht es ein ganzes Dorf.⁵ Für Mütter von Kindern mit besonderen Bedürfnissen fehlt dieses Dorf oft noch mehr.
Und die Väter?
Eltern-Burnout betrifft nicht nur Mütter. Auch Väter können erschöpfen, auch sie tragen Last, auch sie stossen an ihre Grenzen. Das ist wichtig zu sagen.
Und trotzdem zeigen die Zahlen: Mütter sind strukturell stärker belastet. In der Schweiz leisten Mütter wöchentlich über 50 Stunden Haus- und Familienarbeit. Bei Müttern mit Kindern unter sieben Jahren sind es sogar 71 Stunden, also zehn Stunden täglich, auch am Wochenende.⁴ Die emotionale Arbeit, das Co-Regulieren, das Vorausdenken – es liegt nach wie vor überwiegend bei den Müttern.
Wie die Schweizer Psychiaterin Barbara Hochstrasser es formuliert: Mütter sind nicht vulnerabler. Sie sind schlicht stärker belastet.
Was tun gegen das Ausgebrannt-Sein als Mutter?
Wenn es um Erschöpfung bei Müttern geht, kommt schnell der Ratschlag: Mach mehr Pausen. Schau besser zu dir.

Selbstfürsorge ist wichtig – keine Frage. Aber sie allein wird ein Mama-Burnout nicht abwenden. Nicht, wenn die Erschöpfung strukturell ist. Nicht, wenn dein Kind so viel von dir braucht, dass selbst fünf Minuten für dich ein Verhandlungsmarathon sind.
Mit einem Kleinkind unter 18 Monaten sind Pausen ohnehin oft Wunschdenken, zumindest wenn du ein high-need baby erwischt hast. Und auch später sieht die Realität oft anders aus als im Ratgeber: Der Fünfjährige schneidet sich beim Basteln in den Finger. Die 13-Jährige steht mit Liebeskummer vor der Tür. Und wenn dein Kind generell schwer zur Ruhe kommt, sich kaum allein beschäftigen kann oder auf jede kleine Veränderung intensiv reagiert, dann ist „mach doch einfach mal Pause" ein Ratschlag, der sich anfühlt wie Hohn.
Trotzdem gibt es Wege. Keiner der folgenden Tipps ist für jede Mutter zu jeder Zeit umsetzbar. Das muss er auch nicht. Such dir heraus, was dich gerade anspricht und lass den Rest liegen.
Eines ist mir aber wichtig: Wenn du das Gefühl hast, dass du bereits mitten in einem Burnout steckst – wenn die Erschöpfung nicht mehr weggeht, wenn du dich emotional taub fühlst oder körperliche Symptome dazukommen, dann geh bitte zu einer Ärztin oder einem Arzt. Burnout ist keine Befindlichkeit, sondern ein ernstzunehmender Zustand, der professionelle Unterstützung braucht. Diese Tipps können dann begleitend helfen, aber sie ersetzen keine fachliche Abklärung.
Keiner der Tipps ist für jede Mutter zu jeder Zeit umsetzbar. Das muss er auch nicht. Such dir heraus, was dich gerade anspricht und lass den Rest liegen.

Was tun gegen das Ausgebrannt-Sein als Mutter? 7 Strategien, um nicht ist Burnout als Mutter zu fallen
Erschöpfung bei Müttern hat viele Gesichter. Manchmal zeigt sie sich als ständige Gereiztheit, manchmal als das Gefühl, nur noch zu funktionieren. Die folgenden zehn Strategien helfen dir, frühzeitig gegenzusteuern, besonders wenn dein Kind viel von dir verlangt und die üblichen Ratgeber-Tipps bei euch nicht greifen.
Kurz zusammengefasst: Mama-Burnout entsteht nicht über Nacht, sondern baut sich über Wochen und Monate auf, besonders bei Müttern von Kindern, die emotional intensiver, sensibler oder neurodivergent sind. Diese sieben Strategien helfen, frühzeitig gegenzusteuern: Kleine Auszeiten bewusst in den Alltag einbauen, To-do-Listen radikal kürzen, den eigenen Energiehaushalt lesen lernen, persönliche Grenzen setzen, den Perfektionsanspruch loslassen, gezielt die richtige Unterstützung holen und innere Glaubenssätze hinterfragen, die den Druck aufrechterhalten. Die Tipps sind am wirksamsten, wenn erste Anzeichen von Erschöpfung spürbar werden. Steckst du bereits mitten in einem Burnout, suche bitte ärztliche Hilfe. Diese Strategien können dann begleitend unterstützen, ersetzen aber keine fachliche Abklärung.
1 - Wie schaffe ich mir als Mutter Auszeiten? Inseln im Alltag finden
Mit gefällt das Bild der “Inseln im Alltag” besonders gut. Denn diese können so erholsam sein wie eine tropische Insel mit Palme und Sandstrand. Es gibt grosse Inseln, kleine Inseln und viele Zwischengrössen.
- Eine kleine Insel kann eine 5 Minuten Auszeit bei einem Tee sein und weil dies manchmal einfach schlicht nicht drinliegt, kann es auch ans Fenster stehen und einmal tief durchatmen sein. Diese Zeit gehört dann einfach nur dir und deinem Tee oder deinem Atem. Lasse das Handy liegen und versuche deine Gedanken bei deiner Tätigkeit zu halten (viel zu gerne planen wir Mütter in solchen Momenten schon den Rest des Tages durch).
- Grosse Inseln sind Abende für dich im Schaumbad, ein Kinobesuch mit deinem Partner oder einen Wellnesstag mit Freundinnen. Also mehrstündige Auszeiten. Solche können länger im Voraus geplant werden und die Vorfreude darauf kann dir auch schon Energie spenden.
- Dazwischen gibt es ganz viele mittelgrosse Inseln. Diese füllst du am besten mit einer entspannenden Tätigkeit aus (Yoga, meditieren, schlafen, ein gutes Buch lesen….), sowie körperlichen Aktivitäten, also Bewegung draussen oder du besuchst einen Kurs, wo du als Bonus den Austausch mit anderen Menschen hast.
- Nimm dir die Pause bevor es gar nicht mehr geht. Am besten baust du regelmässig kleine Inseln in deinen Alltag mit ein.
- Nimm dir die Pausen, auch wenn du noch nicht mit allem fertig bist.
- Mach Pausen auch mit den Kindern, nicht nur für dich alleine. Bleibe einen Moment bei deinem spielenden Kind sitzen, auch wenn es selbständig spielt. Setz dich auf eine Bank, während dein Kind den Käfer beobachtet (statt zu sagen, ihr müsstet nun wirklich los, weil es sonst zu spät Abendbrot gibt).
2 - Wie bringe ich mehr Leichtigkeit in meinen Alltag?
Mama-To-do-Listen sind oft so lang, dass man damit ein Zimmer tapezieren könnte. Und abends siehst du dann vor allem, was du nicht geschafft hast, statt alles, was du tatsächlich geschafft hast.
Das erzeugt einen Kreislauf aus Frust und schlechtem Gewissen, der dich weiter erschöpft, statt dich zu motivieren.
Was dabei hilft, ist eine ehrliche Sortierung: Was davon muss wirklich heute passieren? Was kann warten? Und was steht nur auf der Liste, weil du glaubst, dass es dazugehört?
Vieles, was sich nach „muss" anfühlt, ist eigentlich ein „sollte". Und hinter dem „sollte" steckt oft nicht dein Kind, nicht dein Partner, sondern ein innerer Anspruch, der aus alten Prägungen oder gesellschaftlichen Ideen entstanden ist. Die Wäsche wird auch morgen noch da sein. Das Geburtstagsgeschenk für die Nachbarin muss nicht selbstgemacht sein. Und ja: Abendessen aus dem Tiefkühler zählt als Abendessen.
Versuche, deine Liste auf fünf Punkte (oder so) pro Tag zu begrenzen. Alles darüber hinaus darf in eine Schublade, die du erst öffnest, wenn tatsächlich Kapazität übrig ist.
Was auch vielen hilft: Eine Priorität am Tag. Ist diese geschafft = super! Wenn noch was geht, auch gut.
Und mindestens so wichtig: Kürze auch die Familien-To-dos. Drei Aktivitäten am Wochenende klingt nach einem guten Plan, bis dein Kind beim zweiten Übergang schon am Limit ist (oder du völlig überreizt). Gerade wenn dein Kind Übergänge schwer meistert oder auf Veränderungen intensiv reagiert, ist Reservezeit kein Luxus. Sie ist die Grundlage dafür, dass der Tag nicht schon um 9 Uhr kippt.
Weniger vorhaben, dafür mit Genuss und Musse, mag simpel klingen, ist aber einer der wirksamsten Hebel gegen die schleichende Erschöpfung. Plus das Einplanen von Reserve. Gerade mit Kindern läuft immer mal wieder etwas anders als erwartet und in vollgepackten Tagen kann dies rasch zu Stress führen.
Darum: Die fünf gerade sein lassen. Ein sauberer Haushalt ist etwas für Tage, an denen noch Ressourcen übrig sind. An erschöpften Tagen bleibt liegen, was nicht überlebensnotwendig ist.
3 - Wie erkenne ich rechtzeitig, dass meine Energie aufgebraucht ist?
Oft merken wir erst, dass die Energie aufgebraucht ist, wenn die Batterie schon leer ist. Dann reicht das letzte Restchen nur noch fürs Funktionieren. Etwas zu unternehmen, das die Batterie wieder aufladen könnte, fühlt sich dann paradoxerweise selbst anstrengend an; sogar Dinge, die dir eigentlich Freude machen würden.
Das ist ein Teufelskreis: Je leerer die Batterie, desto schwerer fällt es, sie wieder aufzuladen. Pro Familia Schweiz beschreibt genau dieses Muster als einen zentralen Mechanismus bei der Entstehung von elterlichem Burnout: Wenn die empfundenen Ressourcen dauerhaft nicht ausreichen, um den chronischen Stress zu kompensieren.
Darum ist es so wertvoll, ein Gefühl für den eigenen Füllstand zu entwickeln. Nicht erst reagieren, wenn nichts mehr geht, sondern früher spüren, wann es kippt.
Dein Körper ist dabei dein wichtigstes Instrument. Er gibt dir ständig Hinweise, nur hören wir im Elternalltag oft nicht hin. Er zeigt dir, wann du getriggert wirst und die Wut hochsteigt. Er signalisiert, wann jemand an eine Grenze von dir gestossen ist. Er sagt dir, wann du Ruhe brauchst, Nähe möchtest oder dringend Unterstützung benötigst.
Achtsamkeit, Embodiment, usw.
Versuch es mit kleinen Momenten der Achtsamkeit: Richte bei einer einfachen Tätigkeit oder in einem Ruhemoment kurz den Blick nach innen:
- Wie ist deine Körperhaltung?
- Bist du entspannt?
- Spürst du irgendwo Anspannung – im Kiefer, in den Schultern, im Bauch?
- Ist da Weite? Enge?
Dieser Zusammenhang ist aus der Forschung gut belegt: Unser körperlicher Zustand beeinflusst direkt, wie wir fühlen, denken und reagieren und umgekehrt. Wer lernt, die Sprache des eigenen Körpers zu lesen, kann oft früher gegensteuern, als der Kopf es allein schaffen würde.
Ein einfaches Werkzeug, das ich in meinen Begleitungen nutze, ist ein inneres Ampelsystem: Grün bedeutet, du hast Kapazität und kannst gut auf dein Kind eingehen. Gelb heisst, es wird eng: Du funktionierst noch, aber die Geduld wird dünner und die Reaktionen schärfer. Rot bedeutet: Stopp. Hier ist die Grenze erreicht, du brauchst jetzt etwas für dich, bevor die Situation eskaliert.
Je öfter du im Alltag kurz inne hältst und deine Ampel checkst, desto besser lernst du, bei Gelb schon zu handeln, statt erst bei Rot zu merken, dass es längst zu viel war.
4 - Warum fällt mir das Grenzen setzen als Mutter so schwer?
Viele von uns haben als Kinder oder irgendwann später in ihrem Leben verlernt für ihre Grenzen einzustehen. Es war nicht ok überreizt zu sein, Körpergrenzen zu verteidigen oder für die eigenen Interessen lautstark einzutreten. Und so machen wir dies auch heute nicht. Die Gedanken dahinter können vielfältig sein; „Ich muss freundlich sein", „Ich darf nicht empfindlich sein", „Ich will niemandem lästig sein"
Manchmal merken wir noch nicht mal, wenn eine unserer Grenzen überschritten wird. Doch Energie kostet das immer.

Erkennen kannst du eine Grenzüberschreitung zum Beispiel an einer körperlichen oder mentalen Reaktion: Der Herzschlag beschleunigt sich, die Atmung verändert sich, du fühlst dich fremdbestimmt oder nicht ernst genommen. Vielleicht möchtest du am liebsten weg aus der Situation.
Erkennst du eine Grenze, dann steh dafür ein. Das ist nicht nur für deine eigene Gesundheit wichtig, du bist auch ein Vorbild für deine Kinder. Sie werden lernen, selbst besser Grenzen zu setzen: Gegenüber anderen Kindern, gegenüber Gruppendruck, gegenüber Situationen, die sich falsch anfühlen.
Dabei dürfen Grenzen auch weich sein. An einem entspannten Tag ist es vielleicht ok, sieben Essensoptionen für dein Kind durchzugehen. An einem anstrengenden Tag ist bei der zweiten Schluss. Beides ist in Ordnung. Sage klar Nein, steh zu deinem Nein und erkläre deiner Familie, wo deine Grenze liegt. Denn wenn sie diese nicht kennt, kann sie auch keine Rücksicht darauf nehmen.
5 - Muss ich als Mutter alles perfekt machen?
Perfektionismus ist einer der zuverlässigsten Wege ins Burnout. Aktuelle Forschung bestätigt diesen Zusammenhang deutlich: Der innere Druck, die perfekte Mutter zu sein, gehört zu den stärksten Risikofaktoren für elterliche Erschöpfung.
Und dieser Druck kommt von überall. Von aussen: die Gesellschaft, die sozialen Medien, die Schwiegermutter, die Lehrerin, die anderen Eltern auf dem Spielplatz. Und von innen: die eigenen Ansprüche, die eigene Kindheit, das Bild der Mutter, die wir sein wollten, bevor wir tatsächlich Mutter wurden.
Besonders Mütter von neurodivergenten oder bedürfnisstarken Kindern stehen unter einem doppelten Perfektionsdruck. Einerseits die ganz normalen Erwartungen an Mütter und zusätzlich das Gefühl, noch mehr leisten zu müssen, weil das Kind ja „besonders" ist. Noch geduldiger sein. Noch informierter. Noch verständnisvoller. Immer die richtige Reaktion parat haben. Das ist ein Anspruch, an dem jede scheitern kann.
Die Wahrheit ist: Es reicht, eine gute-genug-Mutter zu sein. Nicht perfekt. Nicht immer gelassen. Nicht immer mit der richtigen Antwort.
Es ist ok, nicht alles zu schaffen. Es ist ok, ungeschminkt zum Spielplatz zu gehen. Es ist ok, Pommes aus dem Gefrierfach zu machen, wenn durch die Käfer-Beobachtung die Zeit zum Kochen weggefallen ist. Es ist ok, abends gemeinsam vor dem Fernseher zu sitzen, wenn keiner mehr Energie für etwas anderes hat.
Nora Imlau hat den Hashtag #gutgenug geprägt und ich finde, der verdient einen festen Platz im Elternalltag. Ihr Buch "Bindung ohne Burnout" bietet nicht nur praktische Hilfestellungen, sondern zeigt, wie du die Bedürfnisse aller Familienmitglieder berücksichtigen und gleichzeitig mit deinen eigenen inneren Ansprüchen Frieden schliessen kannst.
Wenn du auf Social Media unterwegs bist: Folge den perfekten Familien-Accounts lieber nicht. Die kuratierten Bilder von aufgeräumten Wohnzimmern (oder vermeidlich unordentlichen, wobei das eigene 10 Minuten nach dem aufräumen schlimmer aussieht), selbstgebackenen Geburtstagskuchen und lächelnden Kindern in gebügelten Kleidern zeigen einen Ausschnitt, der mit dem echten Familienalltag wenig zu tun hat. Doch unser Gehirn vergleicht trotzdem und der Vergleich fällt immer zu unseren Ungunsten aus. Such dir stattdessen Accounts, die zeigen, wie das Leben wirklich aussieht. Oder lass die sozialen Medien ganz weg, dein Nervensystem wird es dir danken.
6 - Wie finde ich als Mutter die richtige Unterstützung?
„Stark sein, alles schaffen, niemanden belasten"
Das sind Grundsätze, die vielen Müttern im Blut liegen. Oft haben wir diese von der eigenen Mutter, dem weiteren Umfeld oder der Gesellschaft übernommen und gar nie hinterfragt, ob wir das überhaupt glauben wollen.
Doch so gerne wir alles alleine schaffen möchten, so unrealistisch ist es. Pro Familia Schweiz beschreibt elterliches Burnout als Folge davon, dass westliche Gesellschaften die Erziehungslast fast ausschliesslich auf die Eltern abwälzen, statt nach dem Prinzip zu funktionieren, das in anderen Kulturen selbstverständlich ist: Es braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind zu erziehen. Für Mütter von Kindern mit besonderen Bedürfnissen fehlt dieses Dorf oft noch mehr.
Überlege, welche Art von Unterstützung wirklich hilft. Vielleicht sind es nicht die Grosseltern, bei denen dein Kind hinterher drei Stunden braucht, um wieder runterzukommen und die dir gleich noch 17 Tipps für besseres Gelingen hinterherliefern. Vielleicht ist es jemand, der dir Haushalt oder Einkauf abnimmt, während du mit deinem Kind bist. Vielleicht ist es eine Haushaltshilfe, eine Nachbarin, die einen Nachmittag übernimmt, oder eine Fachperson, die dich begleitet. Vielleicht braucht es einen offenen Austausch mit deinem Partner über Mental Load und darüber, wie er dir Dinge wirklich abnehmen kann.
Zusätzlich ist es wichtig, dass du selbst genügend soziale Kontakte hast. Wenn Gespräche über Lego, Feen und Autos den Alltag dominieren, fehlt es irgendwann an etwas. Kinder sind wunderbar, aber sie ersetzen keine Freundin. Suche nach Kontakten, die in deinen jetzigen Alltag passen: Eine andere Mutter auf dem Spielplatz, ein Kurs, ein fester Abend pro Woche mit einer Freundin. Die Kombination aus Kinderaktivität und Erwachsenen-Gespräch ist für viele Mütter eine gute Möglichkeit soziale Kontakte im Alltag unterzubringen.
Tipp 7: Was wäre, wenn es ok wäre, überfordert zu sein?
Fällt es dir leicht zuzugeben, wenn es dir zu viel wird? Nimmst du Unterstützung an? Stehst du für deine Grenzen ein? Traust du dich, deinen Schuldgefühlen zuzuhören, statt sie wegzuschieben?
Bei einigen dieser Fragen antwortest du vermutlich mit „Ja klar", bei anderen eher mit „Geht gar nicht". Und genau dort lohnt es sich, genauer hinzuschauen.
Denn gerade wenn die Energie weg ist, passiert es: Der Ton wird schärfer, Drohungen rutschen raus, alles, was du über wertschätzende Kommunikation gelernt hast, ist in weite Ferne gerückt. Hinterher kommen die Schuldgefühle. Und mit ihnen die Scham.
Der erste Impuls ist, diese Gefühle wegzuschieben. Aber das funktioniert selten, sie sitzen im Nacken und nagen leise weiter. Verdrängte Gefühle kosten Energie, die du nicht hast.
Versuch stattdessen etwas anderes: Nimm die Gefühle an. Nicht als Beweis, dass du eine schlechte Mutter bist, sondern als Information. Was wollen sie dir sagen? Was hättest du gebraucht, bevor es eskaliert ist? Sag Hallo zu den Schuldgefühlen, hör ihnen zu und lass sie dann wieder ziehen.

Wusstest du, dass das beste Mittel gegen Scham ist, darüber zu sprechen? Wenn du sie benennst, dann ist sie meist direkt viel schwächer. Traust du dich nicht mit deinen Freunden darüber zu sprechen? Dann suche dir online eine Gruppe, hier kannst du anonym(er) unterwegs sein oder du wendest dich an eine Fachperson wie mich.
Hinter dem Widerstand gegen Veränderung stecken oft alte Glaubenssätze: „Ich werde nur geliebt, wenn ich alles schaffe." „Wenn ich um Hilfe bitte, mache ich mich abhängig." „Nur wenn ich funktioniere, gehöre ich dazu." Diese Überzeugungen stammen oft aus der Kindheit und laufen im Hintergrund mit, wie ein Betriebssystem, das nie aktualisiert wurde. Sie wollen Bedürfnisse erfüllen, die berechtigt sind: Liebe, Zugehörigkeit, Sicherheit. Aber die Strategien, die daraus entstehen, passen oft nicht mehr.
Was wäre, wenn es wirklich ok wäre, überfordert zu sein? Wenn du nicht alles schaffen müsstest, um geliebt zu werden?
Vielleicht kommt ein „Das wäre schon gut, aber …" Dann schau dir das „Aber" genau an. Stimmt es noch? Oder ist es ein altes Muster, das seinen Dienst getan hat?

Häufige Fragen zum Mama-Burnout
Was ist ein Mama-Burnout?
Ein Mama-Burnout ist ein Erschöpfungszustand, der speziell mit der Elternrolle zusammenhängt. Er unterscheidet sich vom beruflichen Burnout und von einer Depression. Die drei zentralen Anzeichen sind: Eine überwältigende Erschöpfung rund um das Elternsein, eine zunehmende emotionale Distanz zu den Kindern und das Gefühl, als Mutter nicht mehr wirksam zu sein. Burnout entsteht nicht über Nacht, sondern baut sich schleichend über Wochen und Monate auf.
Was ist der Unterschied zwischen normaler Erschöpfung und einem Burnout?
Der entscheidende Unterschied liegt in der Erholung. Normale Erschöpfung wird nach ein paar guten Nächten oder einem ruhigen Wochenende besser. Bei einem Burnout bleibt die Leere bestehen, auch nach einer Ruhephase. Dazu kommt oft das Gefühl, dass sich daran nichts mehr ändern wird, zumindest nicht in nächster Zeit.
Welche Symptome hat ein Mama-Burnout?
Typische Symptome sind anhaltende Erschöpfung, innere Leere, Reizbarkeit, Gleichgültigkeit gegenüber den Kindern, Schlafstörungen, Konzentrationsprobleme und körperliche Beschwerden wie Kopfschmerzen, Verspannungen oder Herzrasen. Viele Mütter beschreiben das Gefühl, nur noch auf Autopilot zu funktionieren.
Warum sind Mütter besonders gefährdet?
Mütter tragen nach wie vor den grössten Teil der unbezahlten Haus- und Familienarbeit. In der Schweiz leisten Mütter mit Kindern unter sieben Jahren durchschnittlich über 63 Stunden pro Woche Haus- und Familienarbeit. Dazu kommen der Mental Load, hohe Ansprüche an sich selbst und fehlende Entlastung. Die Schweiz gehört laut Pro Familia zu den zehn Ländern weltweit, die am stärksten von elterlichem Burnout betroffen sind.
Sind Mütter von neurodivergenten Kindern stärker betroffen?
Ja. Kinder, die intensiver fühlen, länger brauchen um sich zu regulieren, schlechter schlafen oder Übergänge schwerer meistern, fordern strukturell mehr Präsenz und Energie. Dieser Mehraufwand ist oft unsichtbar für das Umfeld. Gleichzeitig stehen diese Mütter unter einem doppelten Perfektionsdruck: Den normalen Erwartungen an Mütter plus dem Gefühl, wegen des „besonderen" Kindes noch mehr leisten zu müssen.
Können auch Väter ein Eltern-Burnout bekommen?
Ja. Eltern-Burnout betrifft Mütter und Väter. Allerdings zeigen die Zahlen, dass Mütter strukturell stärker belastet sind, da sie den Grossteil der Care-Arbeit, der emotionalen Arbeit und des Mental Loads übernehmen.
Was kann ich tun, wenn ich erste Anzeichen von einem Burnout als Mutter spüre?
Sieben Strategien helfen, frühzeitig gegenzusteuern: Bewusst kleine Auszeiten einbauen, To-do-Listen kürzen, den eigenen Energiehaushalt beobachten, persönliche Grenzen setzen, den Perfektionsanspruch loslassen, gezielt die richtige Unterstützung holen und innere Glaubenssätze hinterfragen, die den Druck aufrechterhalten.
Wann sollte ich professionelle Hilfe bei Erschöpfung als Mutter suchen?
Wenn die Erschöpfung auch nach Erholung nicht besser wird, wenn du dich emotional taub fühlst, wenn körperliche Symptome dazukommen oder wenn du merkst, dass du deinen Kindern gegenüber zunehmend gleichgültig wirst. Burnout ist ein ernstzunehmender Zustand, der ärztliche Abklärung braucht. Einige Symptome können auch auf andere Erkrankungen wie eine Depression oder Schilddrüsenunterfunktion hinweisen.
Wo finde ich Hilfe für Eltern-Burnout in der Schweiz?
Melde dich bei deinem Hausarzt oder deiner Hausärztin. Anlaufstellen sind unter anderem die Pro Juventute Elternberatung (Tel. 058 261 61 61, rund um die Uhr), der Elternnotruf (Tel. 0848 35 45 55) sowie lokale Mütter- und Väterberatungsstellen.
Wo finde ich Hilfe für Eltern-Burnout in Deutschland?
Erster Schritt ist dein Hausarzt oder deine Hausärztin. Das Elterntelefon der „Nummer gegen Kummer" (Tel. 0800 111 0 550, kostenlos) berät zu Erziehungsfragen und Überlastung. Das Info-Telefon der Deutschen Depressionshilfe (Tel. 0800 33 44 533, kostenlos) hilft bei der Suche nach Therapeuten und Anlaufstellen. Über die Bundeskonferenz für Erziehungsberatung (bke) findest du Erziehungs- und Familienberatungsstellen in deiner Nähe. Auch eine Mutter-Kind-Kur über das Müttergenesungswerk kann eine wichtige Entlastung sein.
Wo finde ich Hilfe für Eltern-Burnout in Österreich?
Wende dich an deinen Hausarzt oder deine Hausärztin. Die Telefonseelsorge (Tel. 142, rund um die Uhr, kostenlos) ist eine erste Anlaufstelle in akuten Krisen. Über elternberatung.at findest du Beratungsstellen, Psychologinnen und Psychotherapeutinnen in deiner Nähe. Das Rehabilitationsprogramm „mia – Miteinander Auszeit" von pro mente Reha in Bad Hall bietet einen 21-tägigen stationären Aufenthalt speziell für erschöpfte Eltern mit Kindern und ist über die Sozialversicherung zugänglich.
Quellen und weitere Informationen zum Thema Burnout bei Eltern:
¹ Mikolajczak, M. & Roskam, I. (2018). A theoretical and clinical framework for parental burnout. Frontiers in Psychology, 9, 886. → Zur Studie
² Mikolajczak, M., Gross, J.J. & Roskam, I. (2019). Parental burnout: What is it, and why does it matter? Clinical Psychological Science. → Zur Studie
Schweiz
³ Pro Juventute Schweiz: Burnout bei Eltern. → Zum Artikel: Schweizer Fachorganisation für Kinder- und Jugendschutz, beschreibt Eltern-Burnout verständlich und praxisnah, erwähnt explizit Kinder mit besonderen Bedürfnissen als Risikofaktor.
⁴ SRF Wissen (2022): Tabu Eltern-Burnout. → Zum Artikel: Ausführlicher Beitrag mit Einschätzungen von Mikolajczak und Psychiaterin Barbara Hochstrasser, mit konkreten Zahlen zur Belastung von Müttern in der Schweiz.
⁵ profamilia Schweiz (2022): Elterliches Burnout – Factsheet. → Zum PDF: Kompaktes Factsheet einer anerkannten Fachorganisation mit konkreten Hilfsangeboten.
Deutschland
⁶ Müttergenesungswerk (o.J.). Burn-out und Erschöpfungssyndrom. → Zum Artikel
KKH Kaufmännische Krankenkasse (2024): Eltern-Burnout statt Familienglück? → Zum Artikel – Basiert auf einer repräsentativen forsa-Umfrage von 2024 mit 1.000 Eltern. Besonders stark: 62% der befragten Eltern fühlen sich häufig oder sehr häufig gestresst, fast 70% fühlen sich erschöpft oder ausgebrannt.
Österreich
Kriseninterventionszentrum Wien (2018): Mütter in Krisen. → Zum PDF – Fachpublikation des Wiener Kriseninterventionszentrums, einer anerkannten psychiatrischen Fachstelle. Behandelt explizit Erschöpfung und Burnout bei Müttern im österreichischen Kontext.
pro mente Reha (o.J.): mia – Miteinander Auszeit. → Zum Angebot – Österreichisches Rehabilitationsprogramm speziell für erschöpfte Eltern, von der Sozialversicherung anerkannt und österreichweit zugänglich.
Dieser Artikel wurde erstmals am 10. Februar 2023 veröffentlicht und im Februar 2026 grundlegend überarbeitet und aktualisiert.
Goni Boller ist Mentorin und Coach für Mütter, die einen gelasseneren und klareren Umgang mit ihren bedürfnisstarken und vielseitigen Kindern finden möchten. Sie unterstützt Eltern dabei, herausfordernde Situationen besser zu meistern, mehr Ruhe und Sicherheit im Familienalltag zu gewinnen und die Bedürfnisse aller Familienmitglieder im Blick zu behalten. Mit ihrem Wissen aus Hirnforschung, Neurodiversität, Psychologie und der kindlichen Entwicklung begleitet sie Mütter auf ihrem individuellen Weg, ein achtsames und stärkendes Familienleben zu gestalten.