Lass uns gemeinsam die Welt ein bisschen liebevoller machen

Hast du manchmal das Gefühl gegen eine Wand zu reden und dein Kleinkind hört nicht?

müsli auf der hose

Das kann bewirken, dass wir uns machtlos, ignoriert oder wertlos fühlen. Kein schönes Gefühl!

Da erstaunt es nicht, dass dies viele Eltern zur Weissglut treibt und sie laut werden oder an ihre Grenzen kommen. Eine mögliche Reaktion darauf kann Drohen, Schimpfen oder Strafen sein.

Heutige Eltern wünschen sich jedoch oft einen Umgang mit ihrem Kind der auf Wohlwollen, Respekt und Kooperation beruht. Die Werte haben sich verändert und eine autoritäre Erziehung mit absolutem Gehorsam sind kaum noch Ziele, die verfolgt werden.

Doch gerade, wenn du Dinge anders machen möchtest als du es selbst bei deinen Eltern erlebt hast, kann das schwierig sein.

Denn wir schauen bei unseren Eltern ab, wie man miteinander umgeht. Sich komplett neu zu orientieren kann herausfordernd sein. Ganz besonders, wenn du dann feststellst – mein Kleinkind hört nicht zu.

Ich bin überzeugt, dass es für alle Eltern einen Weg gibt, in Kontakt und Beziehung mit ihren Kindern zu bleiben und gleichzeitig das Gefühl zu haben, dass das Kleinkind (oder auch grössere Kind) zuhört.

In diesem Artikel teile ich mein Wissen, sowie meine Gedanken und Erfahrungen zu dem Thema mit dir.

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Erziehung oder Kooperation?

Erziehung, so denken wir, läuft immer in die eine Richtung. Wir Eltern müssen wissen, was richtig und gut ist und es ist unsere Aufgabe, dies irgendwie in unsere Kinder reinzubekommen. Das ist sogar schon in der Theorie eine unglaubliche Verantwortung. In der Praxis funktioniert es dann oft gar nicht und kann total anstrengend sein.

Wir Eltern beginnen mit der Erziehung mit den uns bekannten Methoden. Wir erziehen also so, wie wir es selbst erfahren haben oder in unserem Umfeld erleben. Oft beinhalten diese Methoden Macht, Druck, Strafe und Laut Werden.

«Mein Kleinkind hört erst, wenn ich laut werde»

Viele haben es als Kinder selbst erlebt, dass die Eltern geschimpft haben, wenn sie sich sonst nicht mehr zu helfen wussten. Gerechtfertigt wurde dies damit, dass du als Kind ihnen keine andere Wahl gelassen hast.

Das hast du ihnen natürlich geglaubt, denn als Kinder haben wir noch keine Möglichkeiten solche Aussagen zu hinterfragen. 

So haben wir als Erwachsene das Gefühl, es ginge gar nicht ohne laut zu werden und zu schimpfen. Wir sind der Überzeugung, dass es das braucht, damit ein Kind sich benimmt und was aus ihm wird.

Heute stehen uns jedoch ganz andere Informationen über die kindliche Entwicklung zur Verfügung. So wird immer klarer, dass uns diese Methoden nicht dorthin bringen, wo wir hinwollen.

Wir möchten selbstbewusste, selbständige und kreative Kinder. Sie sollen ein erfülltes Leben führen können und für sich einstehen. Erziehungsmethoden, die auf Strafen, Drohungen, Lob und Tadel beruhen führen nicht dorthin.

Was hingegen dorthin führt ist eine liebevolle, empathische Begleitung, klare Kommunikation und Raum für die Bedürfnisse aller Familienmitglieder.

Der dänische Famlilientherapeut Jesper Juul hat in vielen seiner Bücher* betont, dass Kinder eigentlich kooperieren wollen und wir sie nicht etwa dazu erziehen müssen.

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Nicht nur gut für das Kind, sondern auch gut für die Mama

Das Schreien und Schimpfen zu reduzieren bringt nicht etwa nur deinen Kindern wahnsinnig viel, sondern auch dir selbst. Es führt zu

  • einer besseren Beziehung zu deinem Kind
  • einem besseren Gefühl mit dir selbst
  • du kannst ganz viel über dich selbst lernen und du kannst mit deinem Kind wachsen
  • die Veränderungen werden positive Auswirkungen auf dein gesamtes Leben haben

Schreien erschreckt unsere Kinder, es unterbricht die Bindung und bringt sie in den Notmodus (falls sie dort nicht schon waren). Die erwünschte erzieherische Funktion hat Schreien somit nicht. Das Kind hört dann nicht etwa auf, weil es verstanden hat, dass es etwas nicht tun soll, sondern weil es im Notmodus ist und einfriert.

Sein Körper schüttet Stresshormone aus. Diese kann es nicht abbauen und es wird in der nächstmöglichen Situation wieder “austicken”, um diese Hormone zu entlassen.

Gute Beziehung mit den Kindern

Im schlimmsten Fall trainierst du deine Kinder sogar darauf nicht auf dich zu hören, bis du schreist und ganz bestimmt lernen sie daraus in Stress-Situationen auch zu schreien oder einzufrieren.

Es ist möglich deine Grenzen ruhig und klar zu kommunizieren. Das bedeutet nicht, dass du nicht von deinen Kindern getriggert oder wütend wirst. Jedoch kann es gelingen mit deinen Emotionen so gut umgehen zu lernen, dass du diese selbst regulieren kannst, ohne deine Gefühle auf deine Kinder zu übertragen.

Du wunderst dich vielleicht, wie das möglich sein soll? Hier stelle ich dir 7 Impulse vor, wie du es schaffst, ruhiger und klarer mit deinen Kindern umzugehen.

1 Deine Hauptaufgabe als Mama

Du musst nicht etwa dafür sorgen, dass dein Kind gelingt. Kinder sind schon gut und sie möchten mit dir kooperieren. Es braucht dazu keine erzieherischen Massnahmen. Das sind super News, denn das erleichtert deinen Job ungemein.

So viele Mamas haben das Gefühl, sie seien dafür verantwortlich, dass aus ihren Kindern etwas wird und dazu müssten sie sie richtig erziehen. So ist es nicht. Kinder brauchen nur den Rahmen, um sich darin entwickeln zu können. Dieser Rahmen ist die körperliche und emotionale Sicherheit, Freiraum, sowie deine Liebe, die dein Kind spürt, egal was es gerade getan hat.

Wie du das umsetzen kannst: Überlege dir, welche Werte du deinem Kind mitgeben möchtest. Was ist dir wirklich wichtig und lebe dies deinem Kind vor.

2 Nimm es dir vor, aber sei nachsichtig

Nimm dir vor nicht mehr zu schimpfen oder zu schreien. Das klingt sehr einfach, ist aber ein wichtiger Schritt. Nur schon dieser Gedanke wird dir in einigen Situationen dabei helfen, diese ruhiger zu lösen. Lebst du deinen Kindern einen respektvollen Umgang vor, dann werden deine Kinder diesen von dir lernen.

Sei nachsichtig, wenn es nicht gelingt. Das ist völlig menschlich und wird immer wieder passieren. Vor allem, wenn sich dies schon sehr eingebürgert hat bei dir zuhause. Das ist ok. Bleibe aber dran und über weiter, es wird immer besser und besser gelingen. Vor allem auch, weil es sich so gut anfühlt und es immer einfacher wird, gelassen zu bleiben.

3 Dein Kind verhält sich wie ein Kind

Rufe dir immer mal wieder in Erinnerung, dass sich dein Kind einfach nur verhält wie ein Kind. Es tut nichts, um dich zu ärgern. Es tut immer nur Dinge, die ihm bei etwas helfen oder etwas ermöglichen, was es gerade braucht. Das kann durchaus beinhalten eine Reaktion von dir auszulösen.

Kinder brauchen Freiraum, um sich zu entwickeln und sie brauchen auch Eltern, die klar kommunizieren, wo ihre persönlichen Grenzen liegen. Auch können Kinder in stressigen Momenten nicht mehr vernünftig handeln, weil ihr Gehirn dazu noch nicht in der Lage ist. Das erwachsene Gehirn kann dies sehr viel besser und darum liegt die Verantwortung vernünftig zu sein bei uns.

Wie du das umsetzen kannst: Suche dir ein Mantra oder eine Affirmation, die dich daran erinnert und häng dir diese an den Spiegel. Diese kann zum Beispiel lauten: «Mein Kind handelt immer für sich und nie gegen mich.»

4 Baue eine Verbindung auf

Manchmal kann die Lösung ganz einfach sein und dein Kind hat dich einfach nicht gehört. Geh zu ihm hin, stelle eine Verbindung her indem du ihm die Hand auf die Schulter legst oder den Rücken streichelst und schaue ihm in die Augen. Dazu solltest du auf seiner Augenhöhe sein.

Schaut es dich an, ist die Verbindung aufgenommen. Bring dein Anliegen jetzt noch einmal vor. Besser ist es, wenn du dein Anliegen überhaupt erst verbringst, wenn die Verbindung schon hergestellt ist. 

Die Verbindung wird noch besser, wenn du kommentierst, was das Kind gerade tut: “Der Bagger ist aber schwer beladen.” Damit fühlt sich das Kind gesehen und verstanden, was es sehr viel offener für dein Anliegen macht.

So machst du es dir viel einfacher. Wiederholst du normalerweise 7 Mal, dass es Essen gibt und ärgerst dich darüber wenn niemand hört? Zwar musst du dich vielleicht etwas mehr bewegen, bis du beim Kind bist und einen Satz zurechtlegen, der über “Eeeeeeessen!” hinausgeht. Aber wenn du sofort die Aufmerksamkeit deines Kindes hast und dieses nach dem Abladen des Baggers auch zum Abendessen kommt, hast du sehr viele deiner Nerven gespart.

5 Keine Wiederholungen

Wenn dein Kind nicht reagiert hat, als du gesagt hast, es solle nun endlich sein Zimmer aufräumen, dann wiederhole es nicht einfach. Gehe in einem solchen Fall immer davon aus, dass dein Kind dich nicht gehört hat.

Versuche als nächstes eine Verbindung aufzubauen und trage dann nochmals deine Bitte vor.

Mir passiert es regelmässig, dass mein Mann mich nicht hört, wenn ich ihn um etwas bitte. Wie könnte ich denn von meinem Kind etwas erwarten, was nicht mal ein erwachsener Mann kann?

Versuche auch deine Bitte anders zu formulieren, vielleicht war sie für dein Kind nicht verständlich.

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6 Mach es dir nicht zu schwer

Benutze einfache Worte und möglichst wenige davon, wenn du eine Bitte an dein Kleinkind formulierst. Je einfacher und klarer die Anweisung ist, desto eher wird dein Kind sie befolgen. 

einfach zähne putzen mit dem Kind

Gibt es einen Konflikt daraus oder dein Kind weigert sich etwas zu tun, so hast du immernoch die Möglichkeit zu erklären. Du kannst aber auch einfach sagen, dass du etwas nicht möchtest oder es dir wichtig ist.

Kinder hören oft lieber, wenn du deine Anliegen spielerisch anbringst. So kann eine Handpuppe in deinem Namen sprechen. Die Zähne werden erst dem Plüschtier geputzt oder ihr singt und tanzt, wenn ihr merkt, dass alle gestresst sind. In Facebook Gruppen oder auch durch Google Suchen kannst du viele spielerische Wege für den Umgang mit ungeliebten Tätigkeiten finden.

Vielleicht findest du sogar Lösungen, die euch beiden Spass macht. Also ein win-win und auch wenn nicht, dass es kein Geschrei und Streit gibt, kann schon Belohnung genug sein für den Mehraufwand.

7 Mach es lieber einfach

Wenn du es dir einfacher machen möchtest, dich nicht zu ärgern über eine Reaktion deines Kindes, dann versuche es mit einem Perspektivenwechsel. Wie würde es dir in dieser Situation gehen?

Ich habe dazu eine wundervolle Geschichte gelesen von einem gelben und einem blauen Pulli. Leider weiss ich nicht mehr wo ich diese gefunden hatte. Die Autorin beschreibt, sie sei im Kleidergeschäft gewesen und wollte einen blauen Pulli kaufen, doch ihr wurde ein gelber eingepackt. Als sie sich beschwerte, wurde ihr gesagt, sie solle sich nicht so anstellen, das spiele nun wirklich keine Rolle. Als sie wütend wurde und sagte, sie hätte den blauen Pulli ausgesucht, wird sie ausgelacht und mit dem gelben Pulli in der Tüte aus dem Geschäft geschickt.

Genau so geht es einem Kind, welches den blauen statt den gelben Becher haben möchte.

Das ist ein sehr anschauliches Beispiel für den Perspektivenwechsel. Dieser kann oft helfen, gar nicht so wütend zu werden. Ein Kind welches sich am Boden wälzt, weil es den blauen Becher haben möchte, kann uns Mamas in den Wahnsinn treiben. Die Vorstellung hingegen, wir würden im Kleidergeschäft nicht ernst genommen erscheint absurd.

Daraus kannst du dann auch gleich ableiten, was du zu deinem Kind sagen könntest: “Ich weiss, du wolltest nun gerne den blauen Becher haben, der ist aber gerade im Geschirrspüler. Du kannst zwischen dem gelben, dem roten und dem weissen wählen.”

Zusatz: Löse die Trigger bei dir

Das ist vielleicht der herausfordernste Tipp, aber auch der gewinnbringendste für dich. Wenn du möchtest, dass dein Kleinkind auf dich hört, ohne laut werden zu «müssen».

Es kann uns ungemein triggern, wenn wir das Gefühl haben, unser Kind höre nicht auf uns. Vielleicht taucht das Gefühl auf, du würdest nicht ernst genommen, deine Meinung zähle nicht oder die Anderen lieben dich vielleicht doch nicht so sehr.

Die Ursache dafür liegt irgendwo in dir. Denn dein Kind ist nicht die Ursache deiner Wut, sondern der Auslöser.

quänglige kinder

Die Gründe können alte Muster und Prägungen sein, vielleicht aus der Kindheit. Wir tragen viele Glaubenssätze mit uns herum, einige davon sind für aber überhaupt nicht (mehr) hilfreich. Dazu meldet sich gerne der innere Kritiker zu Wort und stresst uns zusätzlich. Auch das Mutterbild beeinflusst unsere Reaktion auf gewisse Reize aus dem Aussen.

Um nachhaltig gelassener und zufriedener zu werden, nicht nur im Umgang mit der Familie, kann es wichtig sein, hier genauer hinzuschauen. Es lohnt sich auf jeden Fall, denn mit nur wenigen Stunden Aufwand kann sich deine Lebensqualität grundsätzlich verbessern.

Möchtest du gerne eine individuelle Begleitung, um dich nicht mehr so sehr zu ärgern, wenn dein Kind nicht hört? Dann melde dich bei mir für ein Mama Coaching.

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