Hast du dir gute Vorsätze fürs neue Jahr genommen? Vielleicht weniger oft zu schimpfen und laut zu werden? Oder öfter etwas Schönes mit der Familie zu unternehmen?

Ich finde es wichtig, dass wir uns Ziele setzen und Wünsche haben. Doch glaube ich auch, dass Vorsätze fürs neue Jahr nicht zielführend sind.

Phuuu, was denn dann? Das erfährst du in diesem Artikel.

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Gute Vorsätze funktionieren nicht, oder?

Hast du dir auch schon mal einen guten Vorsatz gefasst fürs neue Jahr? Wie oft hast du dich daran gehalten?

Nicht umsonst werden Anfang Jahr so viele Fitness Abos abgeschlossen, wie sonst nie. Ganz viele Menschen wollen weniger trinken, sich mehr Zeit für ihre Familie nehmen, weniger oft vor Wut explodieren, aufhören zu rauchen, sich besser durchsetzen, sich selbst mehr Gutes tun, Gewicht verlieren, mit ihren Mitmenschen freundlicher sein, aktiver werden, für ihre Bedürfnisse einstehen und so weiter.

Gute Vorsätze fassen

Wie viele dieser Vorsätze werden wohl eingehalten? Ich glaube nicht, dass es dazu verlässliche Statistiken gibt – doch viele werden es nicht sein. In diesem Artikel habe ich gelesen, dass ¾ ihre Vorsätze nicht mal bis Ende Januar durchhalten.

Doch warum funktionieren Vorsätze so schlecht?

Weil sie oft viel zu gross sind und ungenau sind. Es sind keine klaren Handlungen damit verknüpft und darum wird es im Alltag schwer daran überhaupt zu denken.

Zusätzlich beinhalten sie etwas, was wir nicht mehr tun möchten. Zum Beispiel nicht mehr so oft Netflix schauen, weniger Arbeiten, aufhören zu rauchen oder nicht mehr so oft laut werden.

Warum es uns so schwer fällt Dinge nicht mehr zu tun

Negative Formulierungen funktionieren oft nicht gut, weil unser Gehirn die Verneinung weniger gut verarbeiten kann als den Rest. Unser Kopf denkt in Bildern, so sehen wir beim Gedanken daran, nicht mehr so oft laut zu werden – wie wir laut werden.

Es ist, als wenn du versuchst, nicht an den rosaroten Elefanten oder das lila Krokodil zu denken. Es funktioniert nicht.

Auch bleibt eine Lücke, wenn wir etwas nicht mehr tun. Was tue ich dann, wenn ich nicht mehr laut werde? Eine alternative Handlung habe ich mir dazu nicht überlegt. Einfach runterschlucken? Versuchen mich zu beherrschen? Ein schwieriges Unterfangen.

Viel besser gelingt es uns, wenn wir uns etwas Konkretes überlegen, was wir stattdessen tun möchten. Zum Beispiel mit meinem Kind auf Augenhöhe reden. So habe ich etwas, was ich tun kann, statt laut zu werden. Das fällt leichter.

Gibt es eine Abkürzung, um meine guten Vorsätze umzusetzen?

Eine Abkürzung zu deinem Ziel gibt es nicht. Wenn dir jemand verspricht, du müsstest es nur genug wünschen und dann bräuchtest du nichts mehr zu tun, dann wäre ich skeptisch.

«Traue niemandem, der dir auf eine komplizierte Herausforderung eine einfache Antwort verspricht.» Goni Boller

Doch das sind nicht etwa schlechte Neuigkeiten. Denn es ist möglich dein Ziel zu erreichen. Und zwar nachhaltig und in kleinen Schritten. In der Anleitung unten erkläre ich dir wie.

Das mag zwar einen gewissen Einsatz verlangen, doch so kannst du dich weiterentwickeln, Neues über dich und dein Umfeld erfahren und langweilig wird dir dabei bestimmt auch nicht.

Die 7 Schritte zum Erreichen deiner guten Vorsätze

Schritt 1 – Überlege dir ein Ziel, fasse einen guten Vorsatz oder formuliere einen Wunsch

Überlege dir dein grosses Ziel. Vielleicht möchtest du deine Kinder nicht mehr so oft anmotzen oder nicht mehr so viel schimpfen.

Dieses Ziel soll dir wichtig sein, sonst bleibst du kaum dran. Gesünder zu essen, weil dein Partner das für sinnvoll hält, ist wahrscheinlich nicht genug Motivation, um tatsächlich was zu ändern.

Versuche dein Ziel positiv zu formulieren.

Positiv könnte sein: «Ich möchte verständnisvoller mit meinen Kindern umgehen» oder «Ich wünsche mir mit meiner Familie einen Umgang auf Augenhöhe.»

Schritt 2 – Mini-Schritte

Nun überlege, welche kleinen Dinge es im Alltag gibt, die du tun kannst, um das zu erreichen. Schreib dir diese auf kleine Zettel, die du dann wie einen Weg zu deinem Ziel anordnen kannst.

in Mini-Schritten Richtung Ziel

Notiere alles, was dir in den Sinn kommt. Kleine Dinge, grosse Dinge, Mini-Dinge. So etwas wie

  • dein Kind zwischendurch anlächeln
  • dich in das Thema der Bedürfnisse einlesen und herausfinden, was du und dein Kind wirklich brauchen
  • ein Coaching buchen
  • dich auf die Augenhöhe deines Kindes begeben in einem Gespräch
  • täglich kurze Meditationen oder ein Self-Check-In einbauen (schliesse deine Augen und fühle in dich hinein; Was spürst du? Wo in deinem Körper spürst du es? Wie geht es dir? Was brauchst du gerade? Beobachte nur, ohne zu werten, ohne etwas verändern zu wollen – mach das 3 mal pro Tag, es wird dir unglaublich viel bringen)
  • einen Schritt zurück machen, wenn du merkst, dass du wütend wirst
  • auf deine Körpersignale achten

Schritt 3 – Formuliere dein Ziel so konkret wie möglich

«Ich möchte öfter laufen gehen» ist sehr ungenau uns es ist nicht besonders klar, wann und wie dies umgesetzt wird. Besser ist es, dir vorzunehmen «Montags, mittwochs und freitags, sobald die Kinder aus dem Haus sind, gehe ich laufen.»

Du kannst dir aus deinen Mini-Schritten aus dem vorherigen Schritt ein solches Ziel formulieren. Dieses Zeil braucht dein ursprüngliches Ziel nicht zu beinhalten.

Wenn du mehr Zeit mit deiner Familie verbringen möchtest, so kannst du stattdessen formulieren: «Jeden Sonntag sitze ich mit der Familie zusammen und wir überlegen uns 3 gemeinsame Aktivitäten für die nächste Woche. Diese Aktivitäten halten wir auf unserem neuen Family-Board fest, damit alle daran denken und sich darauf freuen können.»

Schritt 4 – Bleibe geduldig

Du wirst auf deinem Weg viele Umwege gehen, es wird oft was nicht funktionieren und vielleicht bist du zwischendrin frustriert. Das ist ok. Das darf so sein. Das ist völlig normal, wenn wir einen neuen Weg einschlagen.

Bleibe darum geduldig mit dir und mit deinen Zielen. Jeder noch so kleine Schritt bringt dich näher zum Ziel. Nur nichts tun bringt weniger.

Schritt 5 – Schritt für Schritt

Mach kleine Schritte und am besten immer nur einen. Du kannst dir vielleicht vornehmen nun jeden Tag drei Self-Check-Ins zu machen. Weiter nichts. Falls das für dich eine grosse Herausforderung ist, dann beginne mit etwas anderem.

Begib dich zum Beispiel bei jedem Gespräch mit deinem Kind auf Augenhöhe. Du wirst es vielleicht anfangs oft vergessen, das ist ok. Jedes Mal, wo du dran denkst, ist ein toller Erfolg.

Oder du kannst dein Kind morgens als erstes anlächeln. Das ist ein kleiner Mini-Schritt und doch wird er seine Wirkung zeigen.

Nach einer Woche, nach einem Monat oder wann auch immer dir diese neue Sache völlig leichtfällt und fast wie automatisch abläuft, beginne den nächsten Schritt.

Schritt 6 – Lass es zur Gewohnheit werden

So kann diese neue kleine Sache, dieser Mini-Schritt, zu einer neuen Gewohnheit werden. Das grossartige an Gewohnheiten ist, dass sie keinen Aufwand mehr benötigen. Sie laufen fast wie von allein ab.

Tue dafür jeden Tag etwas. Gehe jeden Tag einen klitzekleinen Schritt. Dieser muss nicht perfekt sein, nichts muss «funktionieren», Hauptsache du gehst in die Richtung, in die du dich gerne bewegen möchtest.

Regelmässigkeit erleichtert es unserem Gehirn eine Tätigkeit zu automatisieren. Anfangs braucht es Aufwand daran zu denken und vielleicht auch dich zu überwinden, die neue Sache zu tun. Doch jedes Mal wird es einfacher und irgendwann geht es wie von selbst.

Schritt 7: Erzähle jemandem davon

Sage deinem Kind, dass du nun auf Augenhöhe mit ihm reden möchtest. Vielleicht unterstützt es dich sogar dabei daran zu denken.

Wenn du es nicht deiner Familie erzählen möchtest, dann berichte einer Freundin davon oder suche dir online eine Gruppe, mit der du dein Vorhaben teilst.

Erzähle jemandem von deinen Zielen

Vielleicht kannst du sogar jemanden motivieren auch mitzumachen. Zum Beispiel eine Freundin, die auch öfter laufen gehen möchte. Dann könnt ihr euch gegenseitig berichten, wie gut ihr vorankommt oder sogar gemeinsam laufen.

Zusatztipp – Neue Gewohnheiten mit alten verknüpfen

Ein super Zusatztipp von James Clear mit seinem Bestseller «Die 1% Methode» über Gewohnheiten: Verknüpfe die neuen Gewohnheiten mit schon bestehenden.

Du könntest beispielsweise die Gewohnheit ins Zimmer deines Kindes zu gehen und es zu wecken damit verbinden, dass du es danach anlächelst.

Oder du verbindest deine Gewohnheit mit deinem Morgenkaffee mit einem Self-Check-In.

Nimm dir dazu vor: Gleich nach meinem Morgenkaffee schliesse ich meine Augen und mache einen kurzen Self-Check-In.

Du kannst den auch während des Abwaschs machen, beim Zähneputzen, vor dem Einschlafen, nachdem die Kinder aus dem Haus sind, usw.

Also auf – fass dir Vorsätze fürs neue Jahr! Und dann bleib in Mini-Schritten dran.