Lass uns gemeinsam die Welt ein bisschen liebevoller machen

Mein Selbstwert war voll ok, bevor ich Mutter wurde. Jahrelang hatte ich mich damit auseinandergesetzt, hatte eine Coaching Ausbildung, hatte gefühlt hunderte Bücher über Persönlichkeitsentwicklung gewälzt und dachte, mich könne so schnell nichts aus dem Konzept bringen. Ich war (fast) sicher, die Gelassenheit mit Kindern wird mir gelingen.

Auch war mir bewusst, dass Mutter werden anstrengend ist. Bei meiner Schwester hatte ich gesehen, wie sehr man Anfangs gebraucht wird. Sie war gefühlt immer am Stillen oder Rumtragen oder müde.

So war es für mich keine Überraschung, dass mein Sohn fast den ganzen Tag entweder an meiner Brust hing oder von jemandem gehalten wurde. Nachts schlief er anfangs toll, was natürlich sehr half (später dann nicht mehr, war aber meist trotzdem ok).

Wie sollte man das richtig machen?

Gleichzeitig kamen Zweifel hoch. Mache ich das richtig? Müsste ich das Kind nicht auch mal hinlegen können? Warum scheint meine Milchproduktion auch nach 3 Wochen noch nicht ganz eingestellt zu sein?

Wie zur Hölle kann ich eine gute Mutter sein?!

Da ich ja ständig am Stillen oder Kind halten und auf mir Schlafen lassen war – hatte ich total viel Zeit zum Bücher lesen und hören. Ich verschlang alles über die kindliche Entwicklung, über Elternschaft und wurde immer aufmerksamer auf die Möglichkeit bindungs-/beziehungsorientiert mit meinem Kind umzugehen. Eine völlig neue Welt tat sich auf.

Mit ihr kam mein Selbstvertrauen wieder zurück.

Das ist alles normal!

Jedes Kind entwickelt sich unterschiedlich!

Und ich wusste auch – ich möchte mit meinem Kind artgerecht umgehen. Das hat mich gestärkt gegen Kommentare von Aussen;

Das Kind solle nicht so durchs Tragen verwöhnt werden.

Wenn es jetzt nicht aus unserem Schlafzimmer ausziehe, würden wir es nie mehr loswerden (möchte ich doch auch gar noch nicht).

Die perfekte Mutter und die Gelassenheit mit Kindern

Wir Mamas möchten gerne gute oder vielleicht sogar perfekte Mütter sein. Wir wollen unseren Kindern die beste Kindheit bieten, sie fördern, Kind sein lassen, für ihre Gesundheit sorgen und die besten Grundlagen schaffen, damit aus ihnen selbstbewusste, starke Persönlichkeiten heranwachsen. 

welche windel soll ich wählen?

Bei all den vielen Möglichkeiten kann es hingegen schwer fallen das für uns passende herauszusuchen. Es beginnt schon in der Schwangerschaft und mit der Geburt des Kindes sollen wir plötzlich wissen, was nun das Richtige und Beste für das Kind ist.

Sind Wegwerfwindeln noch vertretbar oder müssen Stoffwindeln besorgt werden? Gibt das nicht wahnsinnig viel zu tun? Oder soll das Kind gleich windelfrei aufwachsen? Hat man sich erst mal für eine Version entschieden, bleibt die Frage nach einer Windel- oder Abhaltetöpfchenmarke.

Sind endlich alle Entscheidungen getroffen meldet sich auch noch das Umfeld dazu. Die Freundin hat dieses tolle Windelabo abgeschlossen, wär das nicht auch was für euch? Die Oma findet windelfrei einen völligen Blödsinn, schliesslich haben sie auch alle Kinder mit Stoffwindeln gross bekommen.

Oft beginnen die gut gemeinte Ratschläge schon in der Schwangerschaft von allen Seiten auf uns einrieseln. Nicht immer ist es einfach, sich da abzugrenzen.

Und einfacher wird es nach der Entscheidung nach den richtigen Windeln nicht.

Notfallplan für Mütter

Oft sind wir uns gar nicht so sehr bewusst, wie wir als Mama sein möchten. Es kann darin Widersprüche geben und veraltete Vorstellungen, die wir übernommen haben, uns aber gar nicht mehr entsprechen.

Dies können die unterschiedlichsten Fähigkeiten und Fertigkeiten sein. Eine Mutter muss immer für ihre Kinder da sein, sie soll verständnis- und liebevoll sein. Auch soll sie möglichst rasch nach der Geburt wieder einen sexy Körper haben und Zeit für ihren Partner haben. Der Haushalt soll perfekt geführt sein und ihren Job darf sie nicht vernachlässigen. Mamas müssen dazu auch gut für sich selbst schauen und sich Zeit für sich nehmen.

So utopisch diese Ausführung auch klingen mag. Viele Mütter haben irgendwo in ihrem Innersten doch die Vorstellung, sie müssten diesen Ansprüchen genügen. Darin verbirgen sich auch die Worte, welche Mamas das Leben erschweren. Hast du sie entdeckt?

Eine gute Mama soll, muss, aber darf nicht

Was glaubst du, was du alles solltest?

Solltest du immer frisch kochen? Sollst du immer hübsch aussehen?

Vielleicht müsstest du manchmal sogar gegensätzliche Dinge tun.

perfekte mutter
Soll so die perfekte Mutter aussehen?

Darfst du den Streit zwischen deinen Kindern schlichten oder musst du sie versuchen lassen diesen selbst zu lösen? Musst du so lange wie möglich stillen oder sollst du wieder voll arbeiten?

Gelassenheit mit Kindern ist erschwert durch solche Ansprüche. Besonders, wenn die verschiedenen Erwartungen schlecht vereinbar sind.

Müssen, dürfen, sollen – diese Worte beinhalten Regeln, welche uns unumstösslich scheinen.

Doch eigentlich müssen und sollen wir ziemlich wenig, dafür dürfen wir uns ein eigenes Bild davon machen, was wir gerne möchten.

Klar sorgen wir uns Eltern dafür, dass unseren Kindern nichts geschieht und kümmern uns um ihr psychisches und physisches Wohlbefinden. Doch darüber hinaus ist praktisch keine Regel in Stein gemeisselt.

Solche Regeln leiten uns durch unseren Alltag und erzeugen Druck. Von diesem Druck können wir einiges abbauen, wenn wir diese Regeln hinterfragen und nur die behalten, welche für uns tatsächlich Sinn machen.

Lohnt sich denn der Aufwand etwas zu verändern?

Vielleicht fragst du dich, ob es sich denn überhaupt lohnt als Mutter gelassen zu sein.

Ich finde: Auf jeden Fall!

Mir gelang es nach kürzester Zeit mit meinem ersten Kind so entspannt umzugehen, als wäre es das zweite. Das hat nicht nur mir selbst das Leben viel einfacher gemacht, sondern ich bin überzeugt, dass dies auch für mein Kind förderlich ist.

Gelassenheit mit Kindern überträgt sich. Auf die Kinder, auf den Partner und auf das sonstige Umfeld.

Diese Leichtigkeit spart ungemein viel Energie. Diese bleibt dann übrig, um sich noch besser abgrenzen zu können und die Kinder in herausfordernden Situationen und starken Gefühlen zu begleiten.

Mütter sehen sich den unterschiedlichsten Ansprüchen ausgesetzt, welche dafür sorgen, dass sie sie sich grossen Druck und Stress machen. Diese Anspannung wirkt sich auf den ganzen Tagesablauf aus. Denn ist die Mama angespannt, sind es die Kinder auch. Angespannte Kinder werden sich mehr ärgern, mehr streiten und weniger kooperieren können.

Wie Kinder von uns lernen

Leben wir unseren Kindern vor, wie es möglich ist, sich auch in stressigen Momenten zu es beruhigen, kann es das auch lernen. Denn Kinder lernen hauptsächlich durch das Kopieren und Abschauen von Verhaltensweisen.

So werden auch sie in Zukunft Konflikten und Herausforderungen konstruktiver begegnen können (nicht Morgen, aber irgendwann, wenn sie grösser sind).

Authentizität ist wichtig für die Gelassenheit mit Kindern

Wichtig ist, dass das Entspannt Sein echt ist. Brodelt es in deinem Inneren und du versuchst krampfhaft ruhig zu bleiben, werden deine Kinder es merken. Für deine Kinder sendest du so unklare Signale, was sie verunsichert.

Sie werden eine Möglichkeit finden müssen, um mit dieser Verunsicherung umzugehen, dies geht durch Angriff, Passivität oder Flucht. Verunsicherte Kinder werden sich höchstwahrscheinlich nicht so verhalten, wie du es dir erhoffst. 

Die Sache mit der freien Entscheidung

Durch den Dschungel all der Erwartungen, welche von uns, dem Umfeld und der Gesellschaft an uns getragen werden, versuchen wir unseren Weg zu finden. Dabei ist es schwierig zu erkennen, ob es denn überhaupt mein persönlicher Weg ist und wie er beeinflusst wurde.

Tragemama

Entgegen dessen, was man oft liest, ist es nicht möglich völlig frei seinen eigenen Weg zu wählen. Wir werden immer beeinflusst sein von unseren Erfahrungen, der Gesellschaft und unserem Umfeld. So können wir unser Mutterbild nicht völlig frei wählen oder von einem Tag auf den anderen alles “sollen, müssen und dürfen” ablegen, aber wir können mitbestimmen wie wir damit umgehen. 

Mach dir darum keinen zusätzlichen Druck damit, dass du nichts mehr “sollen”, “müssen” oder “dürfen” solltest. Aber frag dich öfter mal: Muss es wirklich?

Viel entspannter wird es, wenn du “so muss das sein.” in “wir schauen, wie es für uns alle passen kann.” veränderst.

Mut zur Lücke kann Wunder vollbringen. Es ist nur menschlich, auch mal was zu vergessen. Die Kleider dürfen ruhig auch mal schmutzig sein, das zeugt nur davon, dass ihr was erlebt habt.

Was mir geholfen hat, gelassener zu werden

  • Ansprüche an mich selbst reduzieren
  • Wissen aneignen
  • Gleichgesinnte finden
  • Abgrenzen gegen Erwartungen von Aussen
  • Gedanken wie:
    • «Wir können Kinder nicht erziehen, sie machen uns sowieso alles nach»
    • «Unperfekt ist perfekt» – Perfekt geht gar nicht und ist fürs Kind doof (neben perfekten Eltern sieht man selbst so schrecklich unperfekt aus)
    • «Ich spüre selbst am besten, was für meine Familie richtig ist.»

Und dir?


Lass uns gemeinsam die Welt ein bisschen liebevoller machen