Sonja versucht einen grossen Bogen um die Spielwaren bei der Kasse zu gehen und wird nervös. Sie befürchtet, dass ihr kleiner Sohn etwas davon haben möchte und das Ganze am Ende in einem Geschrei enden wird.

Sie versucht ihn abzulenken, damit er nicht auf die bunten Verpackungen aufmerksam wird. das Herz schlägt schneller, die Falte zwischen den Augenbrauen wird tiefer.

Heute möchte sie nichts kaufen. Sie hat Angst davor, wieder nachzugeben und vor den Blicken der anderen Personen im Laden, wenn sich ihr Kind schreiend auf den Boden wirft.

Sonja befürchtet das Schlimmste und ist schon gestresst, bevor überhaupt etwas passiert ist. So hat sie weniger Nerven, um einen Wutanfall ihres Sohnes tatsächlich auszuhalten, würde es denn soweit kommen.

Diese Angst vor Konflikten ist ein Zeichen fehlenden Vertrauens – etwas, das nicht nur die Atmosphäre zwischen Mutter und Kind belastet, sondern auch das Selbstvertrauen des Sohnes beeinträchtigen kann.

Ein Mangel an Vertrauen führt oft dazu, dass du vielleicht zu kontrollierend agierst und dein Kind sich unnötig eingeengt fühlt.

Doch es gibt einen anderen Weg: In diesem Beitrag erfährst du, wie du lernen kannst, deine negativen Erwartungshaltungen zu überwinden und ein starkes Vertrauen in dein Kind und seine Fähigkeiten zu entwickeln.

Höre dir hier die Podcastfolge dazu an (Schweizerdeutsch):

Warum ist Vertrauen wichtig?

Vertrauen ist eine grundlegende Komponente jeder Beziehung. In Bezug auf unsere Kinder bedeutet Vertrauen, dass wir an ihre Fähigkeiten und ihr Potenzial glauben. Es geht darum, ihnen Raum zu geben, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen und aus ihren Erfahrungen zu lernen. Indem wir ihnen Vertrauen schenken, stärken wir ihr Selbstvertrauen und ihre Selbstständigkeit.

Wie schaffe ich es, meinem Kind wieder mehr Vertrauen entgegenzubringen?

Die Kraft positiver Erwartungen

Das erste, was wir tun müssen, ist zu erkennen, dass unsere Erwartungen einen starken Einfluss darauf haben, wie wir Situationen wahrnehmen und darauf reagieren. Wenn Sonja erwartet, dass der Besuch im Laden mit einem Wutanfall endet, steigt ihre Anspannung bereits im Vorfeld. Diese Anspannung überträgt sich auch auf ihr Kind.

Alternative Sicht auf die Dinge

Statt sich auf das mögliche negative Szenario zu konzentrieren, könnte Sonja versuchen, die Situation aus einem anderen Blickwinkel zu sehen: Vielleicht ist dies eine gute Gelegenheit mit ihrem Sohn zu üben mit Frustrationen besser umzugehen.

Vertrauen stärken

Vertrauen in dein Kind zu haben bedeutet zu glauben, dass es in der Lage ist, mit Enttäuschungen umzugehen und von ihnen zu lernen. Wenn Sonja ihrem Sohn vermittelt, dass sie ihm zutraut, auch ohne den Kauf eines Spielzeugs zufrieden zu sein, stärkt das sein Selbstvertrauen.

Selbstvertrauen als Vorbild

Sonja kann ihrem Sohn am besten durch ihr eigenes Verhalten zeigen, wie man mit schwierigen Situationen umgeht. Indem sie ruhig bleibt und klar kommuniziert, gibt sie ihrem Sohn ein gutes Beispiel für angemessenes Verhalten.

Vorbereitung auf Herausforderungen

Vor dem Betreten des Geschäfts kann Sonja mit ihrem Sohn besprechen, dass heute keine Spielzeuge gekauft werden. Klare Ansagen helfen Kindern, die eigenen Erwartungen zu managen.

Strategien entwickeln

Gemeinsam können sie Strategien entwickeln, was stattdessen getan werden kann, wenn der Wunsch nach einem Spielzeug aufkommt – vielleicht ein spezielles Spiel zu Hause spielen oder ein Buch lesen.

Für sich selbst kann Sonja einen «Wenn…..dann» Satz zurechtlegen: «Wenn er sich ein Spielzeug wünscht, werde ich ihm versprechen, dass wir zuhause gemeinsam einen Dino-Kampf spielen werden.» oder: «Wenn er sich schreiend auf den Boden wirft, werde ich tief durchatmen, mich daran erinnern, dass er so Umgang mit Frustrationen übt und mich neben ihn setzen.»

Reflexion der eigenen Erwartungen

Es ist wichtig zu hinterfragen, ob unsere Erwartungen an das Verhalten unserer Kinder immer realistisch sind. Kinder sind lernfähig und flexibel – aber sie sind auch noch dabei, ihre Emotionen zu verstehen und zu kontrollieren.

Impulskontrolle können Sie beispielsweise erst mit 6 so langsam. Wenn sich der 4jährige Sohn von Sonja beim Spielzeugregal nicht zurückhalten kann, so ist das ok. Es ist einfach nur normal für ein Kind in seinem Alter.